Aus der Praxis: Qualifizierungsweg vom Techniker bis zum Master 

Umfassende Qualifizierung kann Beschäftigung sichern, Entwicklung ermöglichen und neue Verantwortung eröffnen

Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Verbrennungsmotoren weichen Elektromotoren, mechanische Systeme werden durch Software ersetzt, Fahrerassistenz und automatisierte Fahrfunktionen definieren neue Kompetenzanforderungen. Für viele Fachkräfte bedeutet das: Die Qualifikationen von gestern reichen für die Aufgaben von morgen nicht mehr aus.

Martin Sygulla und sein Arbeitgeber haben früh erkannt, dass Qualifizierung in der Transformation entscheidend ist. Der Techniker mit über 25 Jahren Berufserfahrung bei der AUDI AG hat einen umfassenden Qualifizierungsweg durchlaufen – von der Basisqualifizierung über die Aufbauqualifizierung in Funktionsentwicklung bis hin zum Master of Advanced Studies (MAS) an der Hochschule Schaffhausen. Ein Jahr nach seinem Abschluss zeigt sich: Dieser Weg hat sich nicht nur fachlich gelohnt, sondern auch beruflich neue Perspektiven eröffnet.

Vom Produktionsmotarbeiter zum Software-Entwickler

In Martin Sygullas Arbeitsalltag hat sich seit dem Abschluss der Qualifizierung einiges verändert. In der Zusammenarbeit mit Kollegen auf vergleichbarem Qualifikationsniveau ist sein Abschluss gewissermaßen zur Selbstverständlichkeit geworden. Für ihn zählt heute weniger der Titel als vielmehr die Tatsache, dass der MAS eine entscheidende Grundlage für seinen beruflichen Weg war. „Ohne den MAS wäre ich heute nicht an der Stelle, an der ich jetzt arbeite.“

Sygulla arbeitet heute in der Softwareentwicklung, beschäftigt sich mit Datenlogging, Steuergeräten und Bussystemen – und ist Teil von Entwicklerteams, in denen er aktiv an Code-Repositories mitarbeitet. Themen wie Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen gehören zu seinem Arbeitsfeld. „Besonders motiviert mich, an diesen Themen mitwirken zu können. Ich erlebe meine Arbeit heute aktiver und sehe es stärker als meine Aufgabe, Lösungen selbst zu entwickeln und zu verstehen.“

Audi-Fahrzeug mit Kameraprüfung im technischen Qualitätsprozess
„IRIS“ prüft mithilfe von Kameras, ob Labels mit technischen Daten am Fahrzeug richtig angebracht sind.

Copyright: AUDI AG

Wo früher klare Anweisungen den Arbeitsalltag strukturierten, ist heute eigenständige Lösungsfindung gefragt. „Die Art der Verantwortung hat sich verändert. Während ich in der Produktion überwiegend nach klaren Vorgaben gearbeitet habe, sind meine heutigen Aufgaben deutlich flexibler und offener gestaltet – mit einem klaren Fokus auf das Ergebnis.“

Insbesondere darin liegt der Wert einer umfassenden Qualifizierung: Sie schafft nicht nur neues Wissen, sondern auch die Fähigkeit, in veränderten Rollen sicher und wirksam zu handeln.

Wenn Theorie zur Praxis wird

Wirksame Weiterbildung vermittelt nicht nur einzelne Inhalte, sondern baut ein belastbares Grundlagenverständnis auf, das in der Praxis trägt. Gerade in einem technischen Umfeld, in dem Systeme immer komplexer werden, ist das Zusammenspiel aus Überblick und Detailwissen zentral.

„Das Gesamtverständnis des Fahrzeugs als System ist für meine heutige Arbeit sehr wertvoll. Das Wissen über Steuergeräte, Bussysteme und deren Kommunikation ist gerade im Bereich Datenlogging hilfreich, da hier viele Informationen zusammenlaufen.“

Gleichzeitig zeigt Sygulla auch, dass Weiterbildung ein dynamischer Prozess bleibt. Nicht alle Unterrichtsinhalte werden im Alltag sofort gleich genutzt, doch der größere Zusammenhang bleibt wertvoll. „Mit dem heutigen Wissen würde ich einzelne Inhalte gezielter fokussieren – was sich aber erst aus der späteren beruflichen Orientierung ergibt.“ Die breit angelegte Qualifikation war rückblickend genau das Richtige für einen Weg, dessen Ziel zu Beginn noch nicht feststand.

Die Kompetenz hinter der Kompetenz: Lernen neu lernen

Ein Aspekt, der in vielen Weiterbildungsbiografien unterschätzt wird, ist  die eigene Lernkompetenz neu zu mobilisieren. Auch das betont Martin Sygulla ausdrücklich: „Es war sehr wertvoll, wieder ins Lernen hineinzukommen. Gerade bei neuen Aufgaben merke ich heute, wie hilfreich es ist, sich strukturiert neues Wissen aneignen zu können.“

Wer über Jahre im operativen Alltag arbeitet, gewinnt durch eine solche Weiterbildung nicht nur neue Inhalte, sondern auch Sicherheit im Umgang mit Veränderung. Eine intensive Weiterbildung – besonders eine, die wissenschaftliches Arbeiten einschließt – trainiert nicht nur Inhalte. Sie trainiert auch das Lernen selbst. In einer Industrie, die sich so schnell verändert wie die Automobilbranche, ist das eine entscheidende Zukunftskompetenz.

„Ein Jahr nach dem MAS bin ich in der Entwicklung deutlich weiter angekommen. Mein Verständnis für die Materie und die Abläufe hat sich spürbar erweitert. Der Arbeitsalltag zeigt jedoch klar, dass weiterhin kontinuierliche Weiterentwicklung erforderlich ist.“

Lohnend für beide Seiten

„Sich weiterzubilden, lohnt sich immer. Wissen ist eines der wenigen Güter, die einem niemand mehr nehmen kann – vorausgesetzt, man bleibt dran.“

Der Qualifizierungsweg von Martin Sygulla zeigt beispielhaft, was berufliche Weiterbildung bewirken kann. Sie kann Beschäftigung sichern, Entwicklung ermöglichen und neue Verantwortung eröffnen. Für ihn persönlich bedeutete der Weg die Chance, in der Transformation der Automobilindustrie relevant zu bleiben und sich innerhalb des Unternehmens weiterzuentwickeln.

Dass ein Teil dieser Weiterbildung über das Qualifizierungschancengesetz (QCG) gefördert wurde, hat den Weg zusätzlich erleichtert. Gerade bei umfangreicheren Qualifizierungsprogrammen kann eine solche Förderung dazu beitragen, Entwicklung nicht nur sinnvoll, sondern auch praktisch realisierbar zu machen.

Für seinen Arbeitgeber AUDI bedeutet er, erfahrene Fachkompetenz zu erhalten und zugleich für neue Aufgabenfelder zu stärken. Damit wird Weiterbildung zu einer echten Investition – nicht nur in einzelne Menschen, sondern in die Zukunftsfähigkeit von Organisationen.

Fazit: Transformation erfolgreich gemeistert

Sygullas Geschichte ist eine Antwort auf eine Frage, die viele Fachkräfte in der Transformation beschäftigt: Bin ich noch relevant? Für ihn lautet die Antwort: Ja. Umfassende Qualifizierung in einer sich wandelnden Branche ist nicht nur ein möglicher Weg, sondern ein wirksamer. Wer bereit ist, sich auf diesen Weg einzulassen, kann beruflich bestehen, neue Aufgaben übernehmen und den Wandel aktiv mitgestalten.

Hintergrundinformationen

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