Aus dem Institut: Webinar-Review vom 10.03.2026 – rund 70 Teilnehmende aus mittelständischen Unternehmen

Neue Technologien, veränderte Rollenprofile, wachsender Fachkräftemangel, stockende Transformation: Die Anforderungen an Mitarbeitende entwickeln sich schneller, als viele Unternehmen es realisieren. Und dennoch bleibt strategische Weiterbildung in vielen Betrieben ein Thema, das man irgendwann angehen möchte. Zu teuer, fehlende Ressourcen und Unsicherheit, welche Kompetenzen erworben werden sollten und dann auch noch wie.

Das war der Ausgangspunkt unseres gemeinsamen Webinars mit dem BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Am 10. März 2026 kamen knapp 70 Teilnehmende zusammen, um zu erfahren, wie Weiterbildung zum Erfolgsfaktor für Transformation wird und wie sich staatliche Förderung dabei als konkreter Hebel nutzen lässt. Vertreten waren Unternehmen aus dem Mittelstand, aus unterschiedlichsten Branchen und Betriebsgrößen.

Die wichtigsten Impulse auf einen Blick

  • Transformation scheitert oft nicht an Technik, sondern an fehlenden Kompetenzen
  • Zwischen heutigem Know-how und künftigen Anforderungen besteht eine Transformationslücke – Qualifizierung schließt sie
  • Das Qualifizierungschancengesetz (kurz: QCG) ermöglicht in vielen Fällen eine erhebliche finanzielle Entlastung – auch für KMU
  • Praxisbeispiele aus Automotive, Verwaltung und Handwerk zeigen: Weiterbildung wirkt – branchenübergreifend

Transformation gelingt mit passender Kompetenz

Prof. Dr. Thomas Doyé, Geschäftsführer des ICE Institute for Corporate Education, und Dr. Andrea Prexl, erfahrene Programm-Managerin, eröffneten das Webinar mit einer Frage, die viele im Raum beschäftigt: Welche Kompetenzen wird Ihr Unternehmen in einem Jahr brauchen – und wie stellen Sie sicher, dass diese dann auch vorhanden sind?

Die Antwort ist unbequem: Viele Unternehmen reagieren auf Veränderungen, aber zu wenige steuern sie aktiv. Technik ist verfügbar, Wissen ist fragmentiert, Kompetenzen fehlen oft genau dort, wo Entscheidungen getroffen werden. Prof. Dr. Doyé bezeichnete Weiterbildung deshalb klar als Steuerungsinstrument – nicht als Add-on.

Doch wie sollte man strategisch vorgehen? Von zentraler Bedeutung ist es, die sogenannte Transformationslücke zu erkennen. Als Transformationslücke bezeichnet man das Gap zwischen dem heutigen Know-how der Mitarbeitenden und den künftigen Anforderungen. Die ReferentInnen verweisen hier auf einen mehrschrittigen Prozess: Nachdem die Ausgangslage analysiert und Rollen- und Zukunftsanforderungen für jeweilige Gruppen von Mitarbeitenden geklärt sind, werden passgenaue Qualifizierungen entwickelt. Die Maßnahmen schließen die Kompetenzgaps. Die Wirksamkeit wird evaluiert und ggf. angepasst.

Vier Kompetenzfelder, die jetzt zählen

Die ReferentInnen zeigten anschaulich, in welchen Bereichen der Qualifizierungsbedarf heute besonders hoch ist:

– Fachlich: neue Technologien, z.B. KI & Datenkompetenz

– Methodisch: Problemlösen, Innovation, z.B. Prozessdenken, Automatisierung

– Sozial: Vertrauen, Wertschätzung, Psychologische Sicherheit z.B. Führen in KI-gestützten Teams

– Persönlich: Resilienz, Lernfähigkeit, z.B. Transformationskompetenz

QCG: Förderung, die sich lohnt – insbesondere für den Mittelstand

Die Referentin räumt mit einem häufigen Irrtum auf: Förderung ist nicht zu kompliziert. Sie ist oft einfacher zugänglich als gedacht – wenn man weiß, wo man anfängt und an wen man sich wenden muss.

Ein Aspekt des Webinars lag auf dem Qualifizierungschancengesetz (QCG), einem staatlichen Förderinstrument für betriebliche Weiterbildung. Frau Dr. Prexl zeigte, dass für viele Qualifizierungsmaßnahmen Zuschüsse zu Kurskosten und Arbeitsausfall möglich sind, gerade wenn sie Transformations- und Strukturwandelthemen behandeln.

Die Förderhöhe hängt von Unternehmensgröße, Zielgruppe und der Maßnahme ab. Die Förderung ist meistens mit Kurzarbeit / Transformationsmaßnahmen kombinierbar. Kompaktmaßnahmen stehen nicht im Fokus, förderfähig sind Qualifizierungen mit einem Umfang von mindestens 120 UE. Die Maßnahme muss von einem zertifizierten Träger durchgeführt werden. Auch auf Seiten von Unternehmen und Mitarbeitenden gibt es Voraussetzungen. Eine Prüfung, ob das geplante Qualifizierungsvorhaben förderfähig ist, lohnt sich aber in jedem Fall, so Prexl.

Praxis aus verschiedenen Branchen

Ein Teil des Webinars widmete sich konkreten Qualifizierungsbeispielen aus der Praxis – denn Transformation sieht in der Automobilindustrie anders aus als im Handwerk oder in der (öffentlichen) Verwaltung.

1. Ein Großunternehmen der Automobilbranche qualifizierte IngenieurInnen und TechnikerInnen in Funktionsentwicklung für neue Rollen in der E-Mobilität, automatisiertem Fahren und virtueller Entwicklung – durch umfangreiche modulare Qualifizierung teilweise bis zum Master. Die Mitarbeitenden können so neue Rollen in Zukunftsfeldern übernehmen, das Know How bleibt im Unternehmen und die Transformationsziele werden schneller erreicht. Das Programm wurde mit deutlich mehr als 100% der Seminargebühren gefördert.

2. Ein Landesamt der öffentlichen Verwaltung befähigte Mitarbeitende, digitale Prozesse aktiv mitzugestalten – mit messbarer Wirkung auf Effizienz und Bürgerakzeptanz. Aufgrund des Erfolgs werden weitere Mitarbeitende qualifiziert. Eine Förderung ist bei intensiver Qualifizierung ab 11 Tagen möglich.

3. SHK-Betriebe qualifizieren Fachkräfte zur Wärmepumpenfachkraft und erschließen sich damit neue Geschäftsfelder inmitten der Energiewende. Die Maßnahme wird in der Regel mit 100% bezuschusst.

Was alle drei Beispiele verbindet: Der Schlüssel lag nicht in neuer Technik allein, sondern in den Menschen, die sie (weiter)entwickeln, bedienen und einsetzen.

Wie geht es weiter?

Das Webinar war ein Einstieg – kein Abschluss. Die Fragen aus der Fragerunde haben gezeigt: Rund um das Thema Förderung besteht noch viel Klärungsbedarf – von den genauen Zugangsvoraussetzungen bis zur Zulassung von Bildungsanbietern. Diesem Bedarf werden wir in den kommenden Monaten mit einer eigenen Beitragsserie begegnen. Geplant sind u.a. QCG FAQs.

Für Unternehmen, die direkt loslegen möchten, hat Prof. Dr. Thomas Doyé einen Leitfaden entwickelt, den wir Ihnen hier zum Download zur Verfügung stellen.

Sie möchten wissen, welche Fördermöglichkeiten konkret für Ihr Unternehmen in Frage kommen – oder welches Qualifizierungsformat zu Ihrer Transformationsagenda passt? Sprechen Sie uns gerne an – wir begleiten Sie von der ersten Orientierung bis zur Umsetzung.

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Hintergrundinformationen

Das Webinar fand am 10. März 2026 in Kooperation mit dem BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft statt. Weitere Veranstaltungen aus dieser Reihe finden Sie unter: www.bvmw.de/de/kontakt/ingrid-janssen

Haben Sie Fragen an die ReferentInnen? Schreiben Sie uns gerne eine Email an info@ice.institute